Die Pfennig-Gallwespe

Dass Geld nicht an Bäumen wächst, dürfte allen Naturinteressierten bekannt sein. Aber wie ist es eigentlich mit bronzenen Seidenknöpfen? Die Silk Galls, wie sie in England heißen, hast du bestimmt schon einmal an der Unterseite eines Eichenblattes gesehen. Vielleicht schon während der Insektenhochsaison im August, vielleicht aber auch erst bei einem Herbstspaziergang, wenn das Laub bereits zu fallen beginnt. Vielleicht aber auch noch nie – dann wird es höchste Zeit, die nächstgelegene Eiche zu inspizieren, sofern ihre Blätter nicht nur irgendwo hoch oben in den Wolken hängen. Aber auch wenn du Eichenlaub auf Augenhöhe begegnest:

Die kleinen Kunstwerke nimmt nur wahr, wer genau guckt – und zwar unter die Blätter. Denn von oben ist dem Blatt nicht anzumerken, dass seine Unterseite so reich an Seidenknopfmünzen ist. Oder wie du die Gallen auch nennen magst! Verwechseln kannst du sie übrigens kaum mit irgendetwas anderem. Aber: wer braucht die eigentlich? Jede der knuffigen Knopfgallen beherbergt eine winzige Gallwespenlarve, die sich von den Pflanzenzellen ernährt, aus denen ihr winziges Haus gemacht ist. Schon mal daran gedacht, deine Tapete anzuknabbern? Im späten Herbst fallen die Gallen zu Boden, wo sie den Wespchen noch als Winter-Schlafplatz dienen, bevor diese im frühen Frühling schlüpfen.

Nachdem sich Weibchen und Männchen gefunden und verpaart haben, legen die Weibchen ihre Eier an die Blätter, wo im Frühling in unauffälligen Aufwölbungen der Blätter eine parthenogenetische Generation heranwächst – also ein Haufen Schwestern ohne einen einzigen Mann! Diese betreiben Jungfernzeugung und sind schließlich für die auffälligen Pfennig-Gallen verantwortlich, in denen sich ihr – nun wieder zweigeschlechtlicher – Nachwuchs entwickelt. Die Art bildet also zwei Generationen im Jahr aus, eine mit und eine ohne Männer. Ganz schön kompliziert! Willkommen bei den Insekten.

 

Übrigens: Mit etwas Glück kannst du eine winzige Erzwespe dabei beobachten, wie sie mit ihrem Legebohrer so eine Galle ansticht wie eine Impfkanüle – um ihr ein Ei einzuflößen, aus dem dann eine hungrige Erzwespenlarve schlüpft. Wer eine gemütliche Wohnung hat, wird nämlich auch gern besucht. Allerdings von einem Gast der gefürchtetsten Sorte – er bleibt für mehrere Monate und auf seinem Speiseplan steht eine Gallwespe. Nicht schlimm, die hat ja noch unzählige Geschwister.