Schmetterling des Jahres 2022

Schmetterlinge, insbesondere die Tagfalter, gehören zu den am stärksten gefährdeten Insekten Deutschlands.  Deshalb wählen der BUND und die BUND NRW Naturschutzstiftung seit 2003 den Schmetterling des Jahres, um auf die Bedeutung und Bedrohung der Schmetterlinge aufmerksam zu machen.

In diesem Jahr wurde der Kaisermantel zum Schmetterling des Jahres 2022 gekürt, eine der größten heimischen Tagfalterarten. Er zählt zu den sogenannten Waldarten, also den Tieren, deren Lebensraum im Waldbereich zu finden ist. Der Kaisermantel meidet  den dunklen Wirtschaftshochwald, sondern bevorzugt lichte, sonnige Strukturen. Hier findet er zum einen als Falter ein ausreichendes Angebot an Nektarpflanzen, wie blühende Brombeeren, Disteln oder den Gewöhnlichen Wasserdost. Zum andern wachsen in halbschattigen Bereichen die Nahrungspflanzen seiner Raupe, verschiedene Veilchenarten. Deshalb ist die Raupe im Frühjahr zur Blütezeit der Veilchen zu finden, während der Falter dann im Sommer von Ende Juni bis in den August, manchmal noch Anfang September,  fliegt.

Auch in Schleswig-Holstein zählte der Kaisermantel einst zu den allgegenwärtigen Schmetterlingsarten unserer Wälder. Zu Ende des letzten Jahrhunderts war der Kaisermantel dann bei uns fast vollständig verschwunden. Mit den klimatischen Veränderungen, vor allem den trocken-warmen Frühjahren zur Raupenentwicklungszeit, haben sich die Bestände der Art erholt und inzwischen ist der Kaisermantel wieder in vielen Wäldern Schleswig-Holsteins anzutreffen.

Falls Du einen Kaisermantel im Sommer beobachtest, freuen wir uns sehr über die Mitteilung deines Fundes, besonders gerne mit Foto. In unserem Meldeportal sammeln wir generell alle  Beobachtungen zu Schmetterlingen, Heuschrecken, Libellen und Bienen.  Mach mit!

Kaisermantel Argynnis paphia (Linnaeus, 1758)

Verwechslungsmöglichkeiten: Der Kaisermantel ähnelt den anderen großen Perlmuttfaltern. Er ist jedoch größer und hat eine flecklose, silbrig glänzende Hinterflügelunterseite. Die Männchen besitzen ausgeprägte „Duftschuppenstreifen“ auf der Oberseite der Vorderflügel.

Bei den Weibchen treten zwei Farbmorphen auf. Zum einen die normale rotbraune Form, in der auch die Männchen gefärbt sind. Zum anderen tritt selten aber verbreitet eine graue Morphe auf, die f. valesina. Diese graue Färbung findet sich bei keiner anderen heimischen Perlmuttfalterart.

In Laub- und Mischwälder in ganz Schleswig-Holstein verbreitet.

Nahrungspflanzen: Die Raupe lebt an Veilchenarten, wie dem Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana), dem Rauhaarigen Veilchen (Viola hirta), dem Hunds-Veilchen (Viola canina) oder dem Hain-Veilchen (Viola riviniana) (Stolze 1996).  Die Eiablage erfolgt nicht an der Pflanze, sondern an in der Nachbarschaft befindlichen Baumstämmen und Hölzern.       

Flugzeit: Anfang Juli bis Mitte August

Der Kaisermantel bevorzugt lichte Wälder feuchter Standorte, besonders alte Buchenwälder mit Veilchen an sonnigen, offenen Stellen. Er benötigt blütenreiche Waldwege und -ränder, Lichtungen und angrenzende Wiesen. Der Falter verschwand in den letzten Jahrzehnten aus vielen Wäldern, wozu sicherlich auch die moderne Forstwirtschaft beigetragen hat.

Der Kaisermantel war lange Zeit ein Charakertier unserer Laub- und Mischwälder. Zu Ende des letzten Jahrhunderts war die Art in Schleswig-Holstein weitgehend verschwunden und nur noch von sehr wenigen Standorten bekannt. Mit dem neuen Jahrtausend ist nun wieder eine starke Zunahme und Wiederausbreitung des Kaisermantels zu verzeichnen. Der Falter kann wieder in vielen Wäldern beobachtet werden. Ursächlich dürften insbesondere die zurückliegenden, ausgeprägt warmen und trockenen Frühjahre sein, die der Entwicklung der überwinternden Raupen förderlich sind. Noch ist die Art allerdings nicht allgegenwärtig, weshalb der Kaisermantel noch als gefährdet angesehen wird (RL 3).

Kaisermantel
Argynnis paphia
© D. Kolligs
Männchen
Körperlänge18 mm
Vorderflügellänge 22 mm
Länge Larven3cm
Exemplare in S-H250.000
Alter MAX3 Wochen
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Wusstest Du schon

Die Männchen vollführen komplexe Balzflüge, um die Weibchen für sich zu gewinnen. Dabei spielen auch die Duftschuppen der Männchen eine wichtige Rolle.