Suchauftrag des Monats: die Natternkopf-Mauerbiene

Giftigkeit ist Geschmackssache – die Natternkopf-Mauerbiene ist auf den Natternkopf als Nektarpflanze angewiesen!

Die in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedrohte Wildbiene kann nur dort überleben, wo Natternkopf in der Natur vorkommt, aber auch angepflanzte Bestände verschiedener Natternkopfarten in Gärten können besiedelt werden.

Die Larven der Natternkopf-Mauerbiene (Hoplites adunca) leben ausschließlich von den Pollen der Natternkopfarten. Der heimische Blaue Natternkopf (Echium vulgare) ist vornehmlich an Bahndämmen, Kiesgruben, Stadtbrachen und anderen Ruderalstellen zu finden. Im Gartenfachmarkt wird überdies der Wegerichblättrige Natternkopf (Echium plantagineum) als Sommerblume angeboten, der ebenfalls Pollen für die Art bereitstellt. Beide Natternkopfarten lassen sich im Garten gut an Wegrändern an oder in einer sonnigen, eher pflegextensiven Ecke anpflanzen. Die lange Zeit blühenden Blütenkerzen sind nicht nur für die Natternkopf-Mauerbiene die einzige Nahrung sondern bilden für eine Vielzahl von Insektenarten eine wichtige Nektar- und Pollenquelle.

In den letzten Jahren wurde verbreitet über das Problem von mit Pyrrolizidinalkaloide (PA) beeinträchtigten Honigproben vor allem im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes berichtet. Bei der von uns Menschen gezüchtete Honigbiene kann eine sehr starke Konzentration dieser PA´s zu Schädigung ihrer Larven beigetragen.

Wenig bekannt ist hingegen, dass PA-haltige Pflanzen für manche Wildbienenarten von existenzieller Bedeutung sind. Die Bindung zwischen Pflanze und Biene ist sogar so eng, dass ohne die Verbreitung von PA haltigen Pflanzen das Aussterben dieser Bienenarten droht, wozu auch der Blaue Natternkopf zählt.

Aufgrund der geringen Bestände des Blauen Natternkopfs können aber selbst Imker die Pflanze in ihrem Garten problemlos dulden, da ein Überschreiten einer Nachweisgrenze im Honig ausgeschlossen werden kann.

Gleichzeitig ist die Kenntnislage um das Vorkommen der Natternkopf-Mauerbiene in Schleswig-Holstein mangelhaft. Wir bitten Euch deshalb um Mithilfe – meldet uns alle Beobachtungen dieser seltenen Wildbiene! Unser Tipp fürs Insekten bestimmen und melden: nutzt die KI-gesteuerte App ObsIdentify

Natternkopf-Mauerbiene Hoplitis adunca (Panzer, 1798)

Die Natternkopf-Mauerbiene ist vor allem anhand ihrer speziellen Lebensweise, der engen Bindung an den Natterkopf, zu erkennen, da die hier aufgeführten Merkmale keine sichere Bestimmung lebender Tiere ermöglichen. Sie ergeben aber Hinweise für Verdachtsfälle. Eine eindeutige Bestimmung ist nur an präparierten Tieren möglich. Die Natternkopf-Mauerbiene ist eine schlank wirkende Art von 1,1 - 1,3 cm Größe. Der Hinterleib der Weibchen weist unterseits eine deutliche weiße Behaarung, die sogenannte Bauchbürste, auf. Sie dient zum Sammeln von Pollen. Gefüllte Bauchbürsten erscheinen bei dieser Art dann allerdings blaugräulich, nach der Farbe der Natternkopfpollen. Der gesamte Hinterleib glänzt zudem und weist schmale Endbinden auf. Von unten betrachtet, wirkt das letzte Hinterleibssegment auffallend spitz.

Die Art ist in Schleswig-Holstein bisher sehr selten gefunden worden. Sie erreicht hier ihre nördliche Verbreitungsgrenze und kommt nur lokal vor. In südlicheren Bundesländern ist die Art hingegen weit verbreitet. Insbesondere im Südosten Schleswig-Holsteins aber auch auf der Geest könnten noch unentdeckte Vorkommen der Natternkopf-Mauerbiene vorhanden sein. Gerade auf innenstädtischen Brachen mit Natternkopfvorkommen sollte gezielt nach dieser Art gesucht werden.

Die Hauptflugzeit reicht von Anfang Juni bis Ende Juli, teilweise können Weibchen aber auch bis in den Oktober fliegen. Vorkommen der Art sind streng an Natternkopf gebunden. Dies ist auch hinsichtlich der im Pollen des Natternkopfs vorhandenen Pyrrolizidinalkaloide bemerkenswert, da diese für die menschliche Ernährung in großen Mengen insbesondere im Honig gesundheitsschädlich sein können. Für Wildbienen, insbesondere für Spezialisten, wie die Natternkopf-Mauerbiene, ist der Pollen dieser Pflanze jedoch eine unerlässliche Nahrungsquelle. Natternkopf-Mauerbienen können bei einem ausreichenden Angebot von Nahrungspflanzen auch vom Menschen angebrachte Nisthilfen (Bienenhotels) besiedeln, wo die Tiere einen Nestverschluss aus zerbissenen Blättern mauern, der im frischen Zustand oft eine moosgrüne Farbe besitzt.

Die Art braucht für ihre Entwicklung zwei wesentliche Habitatelemente: zum einen müssen große Bestände des Natternkopfs vorhanden sein, wobei sowohl der heimische Gewöhnliche Natternkopf als auch der in Ziergärten anpflanzte Wegerichblättrige Natterkopf aus dem Mittelmeerraum angenommen werden.Zum anderen benötigt die Natternkopf-Mauerbiene für die Anlage von Brutzellen Hohlräume zwischen Steinen oder im Holz.

Die Natternkopf-Mauerbiene gilt in Schleswig-Holstein als vom Aussterben bedroht. Eine genaue Nachsuche der Art im Siedlungsbereich sollte die Grundlage bilden, die aktuelle Verbreitung in Schleswig-Holstein besser zu dokumentieren. Insbesondere durch die klimatischen Veränderungen ist zu erwarten, dass sich die Art stärker ausbereitet. Das gezielte Anpflanzen von Natternkopf in Gärten hilft dieser spezialisierten Art erheblich und dient gleichzeitig weiteren Bienenarten als wichtige Nahrungsquelle.

Natternkopf-Mauerbiene
Hoplitis adunca
© M. Jung
Körperlänge18 mm
Vorderflügellänge 22 mm
Länge Larven3cm
Exemplare in S-H250.000
Alter MAX3 Wochen
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